Lesungen          Gottesdienste

Nils Petrat: Eine Sache des Vertrauens
Religiöser Buchtipp des Monats November 2021

„Glauben Sie das wirklich?“ Diese Frage wird dem Paderborner Hochschulseelsorger und Dompfarrer Nils Petrat oft gestellt. Und in dieser Frage kommen sowohl Skepsis wie Sehnsucht der Menschen zum Ausdruck. „Es ist am Ende eine Sache des Vertrauens“, ist die Überzeugung von Nils Petrat, der deshalb sein Buch über den Glauben unter eben diesen Titel gestellt hat.
Auf das Vertrauen kommt es an, und darum ist auch der Vertrauensverlust, den die katholische Kirche derzeit erleben muss, so schmerzlich: „Ihr Vertrauensverlust berührt vielfach auch das Vertrauen in die Botschaft des Evangeliums.“ Umso wichtiger ist es in dieser Situation, „der ganz persönlichen, individuellen Ebene des Glaubens große Aufmerksamkeit zu schenken“, und dazu will dieses Buch einen Beitrag leisten.
Der Autor lädt dazu ein und ermutigt, sich bewusst mit der Frage nach Gott auseinanderzusetzen, sich auf die ganz persönliche Suche zu machen, ob man dem christlichen Glauben wirklich Vertrauen schenken kann, und näher herauszufinden, wem man sich da eigentlich anvertraut, wenn man mit Gott, mit Jesus Christus in eine persönliche Beziehung eintritt. Um das vermitteln zu können, erzählt der Autor auch von seinem eigenen persönlichen Glaubensweg sowie von seinen Erfahrungen als Seelsorger, der um die Schwierigkeiten wie die positiven Erlebnisse vieler anderer Menschen mit dem christlichen Glauben weiß.
Man merkt dem Buch in sehr gelungener Weise an, dass es auf der Basis vieler Gespräche entstanden ist. Es will weniger bestimmte Inhalte vermitteln als vielmehr dazu einladen und vor allem auch ermutigen, die Frage nach Gott einfach zu stellen. Und dadurch kann es für sehr viele Menschen interessant sein. (Sankt Michaelsbund)

Nils Petrat: Eine Sache des Vertrauens. Mitten im Leben glauben. Paderborn, Bonifatius Verlag, 2021. 192 Seiten; 18,00 €
(Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)

                                                                                             Text und Bild: Pfarrbriefservice.de

Synodalität normalisieren: Der Weg entsteht beim Gehen

Am Wochenende hat in den Bistümern die Auftaktphase der Weltsynode begonnen. Julia Knop mahnt, diesen Beiteiligungsaufruf nicht als Last zu verstehen, sondern als Chance. Es gehe darum, Synodalität zur kirchlichen Normalität werden zu lassen.

Manchmal ist der Weg das Ziel, zumindest ein Teil davon. Eine Kirche, die synodal werden will, muss sich auf den Weg machen, darf Probleme nicht aussitzen. Der Weg entsteht beim Gehen – doch er entgeht beim Stehen, so ein aus einem Versprecher geborenes geflügeltes Wort der zweiten Vollversammlung des Synodalen Wegs neulich in Frankfurt.
Mit der römischen Bischofssynode zur Synodalität hat der Papst nicht nur die Bischöfe, sondern die ganze Kirche auf synodale Wege geschickt. Die am Sonntag eröffnete Phase der diözesanen Beratung ist ambitionierter als es die reichlich theoretischen Fragebögen der vergangenen Bischofssynoden waren. Sie will nicht Informationen sammeln, sondern einen Kulturwandel initiieren. Es geht um eine "synodale Bekehrung", heißt es im Vorbereitungsdokument: eine Kirche zu werden, die ohne Exklusionen auskommt, die "partizipative Weisen der Ausübung der Verantwortung" ausprobiert und selbstkritisch überprüft, "wie in der Kirche die Verantwortung und die Macht gelebt werden", um unheilvolle Strukturen "umzuwandeln". Kirche soll "glaubwürdiges Subjekt und verlässlicher Partner" werden für sozialen Zusammenhalt, "Inklusion und Teilhabe, den Wiederaufbau der Demokratie, die Förderung der Geschwisterlichkeit".
Das Vademecum benennt eine Reihe hilfreicher Operatoren für die diözesane Beratung: Rollenklärung des Bischofs, eine gute Prozessmoderation durch ein gemischtes Team, aktiv gestaltete Schritte, Transparenz und Partizipation aller von der Beratung bis zur kurzen Zwischenbilanz, die die Bistümer nach den ersten Metern dieses Weges Anfang 2022 erstellen sollen. Weg und Ziel zugleich sei es, ehrlich wahrzunehmen, wie Kirche vor Ort erlebt wird, was im Glauben hilft, welche Schwierigkeiten und Verletzungen kirchliche Erfahrungen aber auch hervorrufen. Und in all dem gut zu hören, welche "Perspektiven der Veränderung"sich vor Ort auftun. Darin werde "die Stimme des Heiligen Geistes hörbar".
Vieles davon geschieht längst und muss unbedingt eingebracht werden – auf dem Synodalen Weg in Deutschland, in Gremien und Verbänden, im Gespräch untereinander. Bis zu einer synodalen Kultur, in der eine solche Vergewisserung kein Krisenphänomen, sondern Normalität ist, ist es aber noch ein gutes Stück Wegs. Umso wichtiger, die jetzige Phase der Weltsynode nicht als weitere Last im Konferenzmarathon wahrzunehmen und erschöpft stehenzubleiben, sondern diese Chance zum Aufbruch zu nutzen. Der Weg entsteht beim Gehen.

Von Julia Knop, Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Quelle: www.katholisch.de am 20.10.2021

Bistum Osnabrück gibt neuen monatlichen E-Mail-Newsletter heraus

„Gott sei Dank“ heißt der neue Newsletter des Bistums Osnabrück. Jeden Monat informiert er kostenlos per E-Mail über Themen rund um den Glauben und das Leben. Das Format liefert hilfreiche Tipps, Termine und geistreiche Impulse. So schreibt beispielsweise Autorin Andrea Schwarz in der ersten Ausgabe einen Impuls über „Anstößiges“ und Bischof Franz-Josef Bode erzählt, wann er gegen den Strom schwimmt. Außerdem berichten zwei Engagierte aus dem Bistum, wie sie Nachhaltigkeit im Alltag leben. Anmelden kann man sich für das neue Angebot unter www.bistum-osnabrueck.de/newsletter (Bild: Bistum Osnabrück)

 

 

"Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun" - Monat der Weltmission in Essen eröffnet

In Essen ist am Sonntag der traditionelle Monat der Weltmission der Hilfswerke missio Aachen und München eröffnet worden. Essens Bischof Franz-Josef Overbeck rief dabei zur "Geschwisterlichkeit mit allen Menschen auf der Erde" auf.
Die katholischen Hilfswerke missio in Aachen und München haben am Sonntag ihre bundesweite Jahresaktion eröffnet. Im Mittelpunkt des Monats der Weltmission steht in diesem Jahr das westafrikanische Land Nigeria, das muslimisch und christlich geprägt ist. Ein Schwerpunkt bei den derzeit 28 Hilfsprojekten von missio in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas ist der interreligiöse Dialog als Beitrag zu Frieden und Versöhnung.
Overbeck für "Geschwisterlichkeit mit allen Menschen auf der Erde"
Essens Bischof Franz-Josef Overbeck verwies in der Essener Kirche Sankt Gertrud auf das Leitwort der Aktion "Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun" und rief zur "Geschwisterlichkeit mit allen Menschen auf der Erde" auf. "Wir alle dürfen als Christen Experten für die Menschlichkeit um Gottes Willen sein, weil es unsere Mission ist, das Gute zu tun." Es gehe darum, Not zu lindern und "alle Menschen zu Schwestern und Brüdern zu machen".
Diese Solidarität darf nach den Worten Overbecks nicht an den Grenzen der eigenen Religion enden. Die Christen sollten sich dabei aber als "Glaubende im Dialog" verstehen. Die unterschiedlichen Kulturen dürften keine "parallel verlaufende Monologe" führen. Vielmehr müsse "eine Kommunikation durch aufrichtigen Dialog und ein echtes Hören aufeinander" Maßstab der Mission sein.
Höhepunkt Weltmissionssonntag
An dem Gottesdienst nahmen auch der Erzbischof von Abuja, Ignatius Kaigama, und der Emir von Wase teil. Sie treten in Nigeria immer wieder gemeinsam gegen Gewalt auf. Laut missio dürfen die blutigen Konflikte in Nigeria nicht als Religionskriege gedeutet werden. Sie würden aber – etwa von der Terrorgruppe Boko Haram – oft religiös aufgeladen. Eigentlich lebten aber Nigerias Christen und Muslime seit Jahren meist friedlich zusammen.
Während des Monats der Weltmission werden Projektpartner aus Nigeria drei Wochen lang Bistümer in Deutschland besuchen und von ihrer Arbeit berichten. Höhepunkt ist der Weltmissionssonntag am 24. Oktober mit Spendensammlungen und Kollekten in den Gottesdiensten. Mit dem Geld werden kirchliche Bildungs- und Infrastrukturprojekte in Afrika, Asien und Ozeanien finanziert. missio München beendet am 24. Oktober seine eigene Aktion, die den Senegal in den Mittelpunkt rückt, mit einem Gottesdienst in München. (stz/KNA- entnommen aus: www.katholisch.de  Bild: missio)

Neuer Pastor für Esens ernannt

In der Pfarreiengemeinschaft "Küste" ist nach dem Weggang von Pastor Risse ein neuer Pastor mit Wohnsitz im Pfarrhaus in Esens ernannt. Es ist ein Altbekannter, der aus Aurich stammende Rüdiger With, der bereits in Jugendgruppenzeiten und als "Strakoki" (Strandkorbkirche) 1979 sechs Wochen mit einem Team in Neuharlingersiel in der Urlauberseelsorge ein Praktikum absolvierte. Rüdiger With war in den letzten Ajnre schon einmal ein paar Jahre Pfarrer auf Borkum und zuletzt , nach seiner Promotion, die er im Bereich "Ökumene" bei Prof. Dr. Dorothea Sattler erreichte, in der Studenten- und Gemeindeseelsorge in Emden eingesetzt.  Seinen Dienst tritt er zum 1.1.2022 an.

 

 

Kirchliche Statistik für die Diözese Osnabrück 2020

Jedes Jahr werden die Amtshandlungen, die Zahl der Gottesdienstbesuche, Austritte, Ein- und Übertritte, sowie die Erlöse von Spendenaktionen in den Bistümern öffentlich gemacht. So auch für das zurückliegende Jahr 2020. Daraus lassen sich die Tendenzen für die nächste Zeit auslesen, was in Vielem die Sorgenfalten wachsen lässt, was aber da und dort Hoffungssignale setzt. Die einzelnen Zahlenwerte für alle Dekanate des Bistums, dann aber auch für die einzelnen Gemeinden, z.B. unseres Dekanats, sind als Anhang im Pdf-Format zu ersehen.

 

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Wenn eine tolle Idee die richtige Sprache findet …

Pflegt die Kirche eine elitäre Machtsprache? Den Vorwurf Drewermanns hält Thomas Winkel für zutreffend. Um auch nicht-religiöse Adressaten zu erreichen, fordert er: Fachsprache bitte nur da, wo unbedingt nötig – und Alltagssprache wann immer möglich.

Stell' dir vor, es gibt eine tolle Idee und niemand hört hin … Dann lässt sich herrlich jammern über "die Jugend von heute" oder über Menschen, denen anderes anscheinend wichtiger ist. Und die ach so wenig Vor-Wissen mitbringen, dass die tolle Botschaft buchstäblich nicht ankommt. Als ob!
Natürlich stellen sich auch heute viele die großen Fragen des Lebens, wie nicht nur der Boom bei Romanen zeigt: Fragen um Liebe und Verzeihen, um Schuld und Scheitern, um ein faires Miteinander und den Erhalt der Natur bis hin zur tödlichen Flutkatastrophe. Ja, und auch die Frage, ob es nicht mehr gibt als das, was sich unter dem Mikroskop im Labor oder über das Teleskop im All nachweisen lässt.
Stell' dir vor, du bringst deine Idee mal anders rüber: ohne leere Worthülsen, ohne Fachausdrücke – so dass auch Teenies und Twens sich verstanden fühlen, die Marktfrau hinhört und der Handwerker im Blaumann. Die Uni Erfurt will jetzt dazu beitragen, genauer ihre Katholisch-Theologische Fakultät. Wer dort studiert, soll künftig auch lernen, religiöse Inhalte für Adressaten aufzubereiten, die nicht religiös sind. Ich finde das spannend – und das Prinzip könnte zu einem Modell werden für die Rede (auch) von Gott in einer modernen, fast religionslosen Gesellschaft.
Da ist noch viel Luft nach oben. Gerade erst hat Eugen Drewermann der Theologie ein mieses Zeugnis ausgestellt (und in diesem Punkt hat er mal weitgehend Recht): Sie pflege die Machtsprache einer gebildeten Schicht, "die nur noch zum Nachsprechen weitergegeben wird". Trost sei damit nicht mehr möglich – einer der schlimmsten Vorwürfe, den man einer Religion machen kann.
Hier will ein Kardinal "dem Völkerapostel sekundieren", da fordern Funktionäre allen Ernstes "eine breitere sakramententheologische Reflexion" über Liebesbeziehungen, dort fürchtet ein Bischof, das Wort Glaube vermittle nicht die volle Bedeutung des griechischen Begriffs "Kerygma". Ja, mag sein – aber hundertprozentige Präzision ist im Atomkraftwerk, im Cockpit und am OP-Tisch angesagt, wahrscheinlich auch im theologischen Doktorandenseminar des Elfenbeinturms Uni. Doch im Gespräch mit Patienten und Passagieren ist dann vor allem Verständlichkeit gefragt, ebenso wie auf Plätzen und in Massenmedien. Also Fachsprache bitte nur da, wo unbedingt nötig – und Alltagssprache immer da, wo möglich.
Stell' dir vor, du hast eine tolle Botschaft und sprichst die Sprache der Menschen … So verstandene Theologie könnte nicht nur in Erfurt Schule machen. Schlicht und einfach: Denn am Anfang ist das Wort.

Der Autor: Thomas Winkel ist Chef vom Dienst der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bonn.
Quelle des Textes: www.katholisch.de am 29.7.2021 Bild: pieter_bruegel_the_elder_the_tower_of_babel_google_art_project_cc0-gemeinfrei_wikimedia_pfarrbriefservice.jpg

Das Diözesanforum Seniorenarbeit hat einen neuen Vorstand gewählt

Auf der Diözesanversammlung trafen sich am 13.07.2021 die Dekanatsprecher*innen der Seniorengruppen aus dem Bistum Osnabrück und stärkten ihre Ehrenamtsvertretung auf Bistumsebene durch eine einstimmige Wahl des neuen Vorstands.
Im Vorstand sind nun
- Hiltrud Roelfes (EL-Süd)
- Herman Schröder (EL-Mitte)
- Beate Kulmann (OS-Stadt)                          
- Johanes Telkman (Bentheim) und aus unserem Dekanat - Stephan Fielers aus Emden.
Ergänzt wird der Vorstand durch Monika Sewöster-Lumme (CKD) und Vertretung des AK Altenpastoral
und Christiane van Melis (BGV-Seelsorgeamt) mit der Geschäftsführung. Der Vorstand vertritt ca. 300 Seniorengruppen im Bistum und setzt sich für die Wertschätzung der Glaubens- und Lebenserfahrung der Senioren im Bereich der Kirche ein. Engagiert wurde beraten, wie die Seniorenarbeit vor Ort nach dem coronabedingten Rückzug wieder in die Begegnung geführt werden kann.

Auf www.katholisch.de findet sich am 24.Juni ein interessantes Interview mit Ragina Laudage-Kleeberg aus dem Bistum Essen, die ein spannendes Internetportal auf den Weg gebracht hat: www.kirchenkrise.de 

Die Kirchenkrise auf den Punkt bringen: Neues Fragenportal geht online

Fragen können helfen, ein Problem genauer zu erkennen. Das gelte auch in der Kirchenkrise, sagt Regina Laudage-Kleeberg und hat dafür ein eigenes Onlineportal eröffnet. Im Interview erzählt sie, was sie sich von einer Kirche erhofft, die sich selbst hinterfragt.
Regina Laudage-Kleeberg ist überzeugt: Es gibt viele frustrierte Gläubige, die ihrer Kirche in der Krise gerne das ein oder andere sagen würden – aber die Hürde der offiziellen Kommunikationswege ist oft zu hoch. Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im Bistum Essen hat die Religionswissenschaftlerin deshalb das Onlineportal "kirchenkrise.de" auf den Weg gebracht. Dort kann jeder formulieren, was er die Kirche und ihre Amtsträger schon lange fragen wollte. Im Interview mit katholisch.de spricht Laudage-Kleeberg darüber, warum sie die Aktion nicht als Abrechnung versteht, sondern als neuen gesprächsbeginn.
Frage: Frau Laudage-Kleeberg, auf Ihrer neuen Seite "kirchenkrise.de" schreiben Sie, dass sie sich immer noch Antworten von der Kirche erhoffen. Liegt nicht gerade hier das Problem, dass die Kirche viel zu lange eindeutige Antworten gegeben hat und definieren wollte, was der Wille Gottes, was richtig und was falsch ist?
Laudage-Kleeberg: Ja, da haben Sie recht. Es gibt eine Vielzahl von überreglementierenden Antworten aus der katholischen Kirche. Aber was es nicht gibt, sind zufriedenstellende Antworten. Und auf solche warte ich immer noch, das versuche ich zu sagen. Viele Menschen sind, glaube ich, ziemlich vereinzelt mit ihrem Frust und mit ihren Fragen an die katholische Kirche. Meine Hoffnung ist, dass Fragen dazu führen könnten, deutlich zu machen: Ich will übrigens noch was von dir. Ich stelle jemandem ja keine Frage, um ein Gespräch zu beenden. Sondern ich stelle die Frage, weil ich ein Gespräch führen oder sogar neu beginnen will.
Frage: Viele der Fragen, die in der kirchlichen Reformdebatte diskutiert werden und die vermutlich auch auf Ihrer Seite auftauchen werden, sind ja seit Jahrzehnten sehr ähnlich. Warum dringen sie in der Amtskirche so wenig durch?
Laudage-Kleeberg: Ich glaube, die Fragen dringen heute mehr durch als etwa noch vor 30 Jahren. Ganz viele Menschen in der katholischen Kirche haben den Veränderungsdruck klar erkannt und ich habe den Eindruck, da sind heute auch Bischöfe dabei, die das sehr genau verstanden haben. Auf der anderen Seite gibt es aber eine – ich sage mal – klammernde Faust aus dem Vatikan oder aus bestimmten konservativen Kreisen, die es verhindert, dass die Kirche in diesen Fragen vorankommt. Das Ergebnis dieser katastrophalen Situation ist, dass die Menschen ihre Freiheit ernst nehmen und gehen. Die Kirchenkrise, in der wir stecken, ist allen sehr bewusst. Daher musste ich doch etwas schmunzeln, dass die Internetadresse "Kirchenkrise" noch nicht mal vergeben war.

Weiterlesen: Kirchenkrise

Wieder Personalveränderungen im Dekanat

Das Personalkarussell dreht sich weiter. EIne nächste Maßnahme ist, dass Pastor Marco Risse zum 1.Oktober 2021 zum Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Twist mit den Katholischen Kirchengemeinden St. Georg, Twist / St. Ansgar, Twist / Heilig Kreuz, Twist-Rühlermoor und die Pfarreiengemeinschaft Schöninghsdorf/Hebelermeer mit den Katholischen Kirchengemeinden St. Franziskus, Schöninghsdorf / St. Vinzenz von Paul, Hebelermeer ernannt ist. Von daher wird er Esens, wo er seinen Wohnsitz hat, und insgesamt die Pfarreiengemeinschaft "Küste" verlassen. Das Dekanat wünscht ihm noch eine sommerlich intensive Abschiedszeit an der Küste und dann einen guten Start in die neuen Aufgaben im katholischen Emsland!

Des weiteren wird Pastoralreferent Hans-Jürgen Dicke, Krankenhaus- und Altenheimseelsorger in Leer im Juli in den Ruhestand gehen. Auch ihm für die neue Lebensphase Gottes Segen und interessante weitere Erfahrungswelten für die folgenden Jahre.
Für beide Stellen ist eine Nachfolgeregelung in Aussicht gestellt.

 

Ökumenische Initiative „Ich brauche Segen“

Die Pandemie bringt viele Menschen an ihre Grenzen. Viele sehnen sich nach Kraft, Ermutigung und Momenten zum Durchatmen. Ein Segen ist so eine Kraftquelle – eine erlebbare Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Die ökumenische Initiative „Ich brauche Segen“ möchte in dieser Zeit neue Kraft spenden und mitten im Alltag „Segenstankstellen“ aufstellen. Ein goldfarbener Aufkleber mit dem schlichten Satz „Ich brauche Segen“ führt über einen QR-Code, bzw. die Internetseite www.segen.jetzt auf Segensworte, die gelesen oder als Audio zugesprochen werden können - und Menschen spüren, wie gut ist es ist, ein Wort des Zuspruchs und der Bestärkung, der Ermutigung und der Zuversicht gesagt zu bekommen.
Segen ist Gottes ermutigendes Wort an jede und jeden von uns. Segen macht die gute Botschaft Gottes für jeden Menschen spürbar und ist ein Ausdruck der Bekräftigung auf unseren vielfältigen Wegen und in den unterschiedlichen Situationen im Alltag. Die bundesweite ökumenische Aktion „Ich brauche Segen“, die auch unser Bistum unterstützt, möchte mit Segensaufklebern und kleinen Segensplakaten Segen schenken und zusprechen. Das geschieht über einen QR-Code, der auf die Website www.segen.jetzt leitet. Hier gibt es dann lesbar und auch hörbar verschiedene Segenssprüche. Diese Aufkleber und Plakate sind so etwas wie „Segenstankstellen“ im Alltag. Sie können an verschiedenen Orten zu finden sein, z.B. beim Bäcker oder der Eisdiele, an einem Auto oder Fahrrad, an einer Laterne, dem Gemeindeschaukasten oder der Kita-Tür, … Der Segensaufkleber kann aber auch an konkrete Menschen verschenkt werden, die gerade jetzt so ein Segenswort brauchen. Die Gemeinden erhalten Anfang Juni eine geringe Anzahl von Segensaufklebern und Mini-Plakaten. Weitere Aufkleber und Mini-Plakate können direkt über die Homepage der Marburger Medien erworben werden (www.shop.marburger-medien.de). Hier finden sich auch weitere Informationen und Material zur Aktion.

Visitation 2021 in Ostfriesland

Die Visitation von Weihbischof Johannes Wübbe in unserem Dekanat geht weiter. Ende Mai ist er an der Küste, im Juni in der PG Leer-Weener-Oldersum und dann in Emden und auf Borkum und zum Schluß in der Pfarreiengemeinschaft Neuauwiewitt. Es gibt jeweils Gespräche mit den Gremien, einzeln mit den hauptamtlichen MitarbeiterInnen, es finden ökumenische Besuche statt und natürlich auch Firmungen. An der Küste, aber auch in anderen Gemeinden Ostfrieslands wird der Firmgottesdienst in diesem Jahr in den in der Regel größeren evangelischen Kirchen stattfinden, damit auch alle Firmwilligen mit einigen Familienmitgliedern gemeinsam Platz haben und ihre Firmung feiern können. Coronabedingten Regeln zufolge wäre dies in den katholischen Kirchengebäuden nicht möglich. Somit ist diese Zeit auch ein Zeichen für die Ökumene, die zeigt, wie weit wir im selbstverständlichen MIteinander doch schon sind. Nirgendwo gab es Vorbehalte dagegen, dass ein katholischer Bischof in einer Amtsfunktion in einer evangelischen Kirche Eucharistie feiert und das Sakrament der FIrmung spendet. Mag es in höheren theologischen Fragen auch noch hakeln - an der Basis ist man schon längst weiter. Unbenommen davon ist natürlich der theologische Dialog wichtig und muss geführt werden, damit das MIteinander auf festem Fundament steht, aber das konkrete Tun vor Ort gibt diesem Dialog auch Feuer. Nach allen Besuchen wird es zum Abschluß eine Dekanatspastoralkonferenz geben, in der der Weihbischof mit den Hauptamtlichen die Erfahrungen und Ergebnisse seiner Besuchsreise reflektiert. Die Tradition der Visitationen alle vier Jahre entweder durch den Bischof oder den Weihbischof soll das Miteinander der Ebenen stärken, soll gegenseitiges Hören und Verstehen lehren und fühlen lassen, dass wir, Ehrenamtliche, Hauptamtliche und Kirchenleitung alle Kirche sind und Kirche bilden.

Fit fürs Predigen

Bistum bietet Kurse für Frauen und Männer an / Predigtwoche „Wir verkünden das Wort“ kommt im September

Das Bistum Osnabrück will verstärkt Frauen und Männer in der Feier des Gottesdienstes sicht- und hörbar machen. Im Vorfeld der Aktion „Wir verkünden das Wort“, die im September stattfinden wird, gibt es deshalb Predigtwerkstätten, die allen Interessierten offenstehen.
Die Teilnehmenden lernen so die Grundkenntnisse der Predigtlehre und verschiedene Zugänge zu biblischen Texten kennen. In kleinen Gruppen geben und erhalten sie Rückmeldung auf ihre Ideen und bekommen Tipps für die Gestaltung in der Gemeinde.
Das Angebot umfasst fünf Kurse, die digital und wenn möglich auch in Präsenz stattfinden. Es wird von der Frauenseelsorge im Bistum und dem Bereich Liturgie in Zusammenarbeit mit dem Bibelforum Haus Ohrbeck organisiert. Die Kurse finden in der Zeit zwischen dem 12. April und 20. Juli statt und haben jeweils drei, beziehungsweise vier Termine.
Die Predigtwerkstätten sollen zur Teilnahme an der Aktion „Wir verkünden das Wort“ ermutigen: Ehren- und hauptamtlich Engagierte sind vom 12. bis zum 19. September dazu aufgerufen, in Gottesdiensten das Wort Gottes auszulegen. Die Aktion baut auf den Erfahrungen der Aktion „Frauen verkünden das Wort“ auf, die im vergangenen Jahr im Bistum Osnabrück stattfand und bei der mehr als 80 Frauen in rund 130 Gottesdiensten predigten.
Weitere Infos auf der Internetseite: www.bistum.net/wvdw2021

AG der Pfarrgemeinderäte protestiert

Die AG der PGR im Dekanat Ostfriesland hat Ende der vergangenen Woche in einem Brief an Bischof Bode das Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare kritisiert und eine Änderung verlangt. Unverständnis, aber auch ein Angriff auf die neue Bewertung von Sexualität und Beziehungen im Prozess des "synodalen Wegs" zeigen sich im Schreiben aus Rom, das so nicht stehen bleiben kann. Hier der Brief im Wortlaut zum download

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Matthias Sellmann: Was fehlt, wenn die Christen fehlen? - Religiöser Buchtipp des Monats April 2021

Der Bochumer Theologe Matthias Sellmann versucht in diesem Buch, Christsein so auf den Punkt zu bringen, dass für Christen und Nicht-Christen deutlich wird, welche Lücke das Christentum hinterlassen würde, wenn es verschwindet. Dreh- und Angelpunkt für seinen Gedankengang sind die Aufgaben, die jeder Mensch zu bewältigen hat: erwachsen werden, einen Beruf ergreifen, eine*n Partner*in finden, mit Schicksalsschlägen klarkommen usw. Dabei sind alle Menschen auf Hilfe angewiesen; niemand kann das allein. Das Christentum kann eine solche Hilfe sein, weil es wichtige Kompetenzen dafür vermittelt.
Die Kurzformel christlicher Lebensweisheit
Die Kurzformel, die Sellmann für die Lebensweisheit Christentum ausgebrütet hat, hört sich beim ersten Lesen etwas sperrig an: „Christsein ist eine bestimmte, nämlich geistliche Form von Klugheit (phronesis). Diese Klugheit motiviert zu drei Kompetenzen, die sich im Vollzug dauernd wechselseitig ergänzen: immer weniger wegrennen (physis); aus sich herauskommen (kenosis); Kraft von außen aufnehmen (dynamis).“
Die Kurzformel basiert auf einer Passage aus dem Paulus-Brief an die Philipper (Phil 2,5-11: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest ...“). Daher stammen auch die griechischen Worte, auf die Sellmann nicht verzichten möchte. Er illustriert sie außerdem am Beispiel dreier Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Dietrich Bonhoeffer, Chiara Lubich und Madeleine Dêlbrel.
Und weil das gedruckte Wort heute allein nicht ausreicht, hat Sellmann mit dem Bochumer Zentrum für angewandte Pastoral die Kurzformel in Musik gefasst, eine Talkshow dazu produziert (beides auf youtube) und – tatsächlich! – Düfte entwerfen lassen. Die dem Buch beiliegende Karte duftet z.B. nach geistlicher Klugheit. Sie werden überrascht sein, wie frisch das riecht!
Anstoß für die Suche nach der eigenen Formel
Es sei nicht verschwiegen, dass die Lektüre eine gewisse Anstrengungsbereitschaft verlangt. Denn die Sprache schillert zwischen dem lockeren Stil eines Blogs und der Sprache eines Menschen, der leidenschaftlich Theologe und Sozialwissenschaftler ist. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich in das Buch zu vertiefen, denn es trägt dazu bei, das Wesentliche des Christseins nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht inspiriert die Sellmannsche Kurzformel ja Leser*innen dazu, ihre eigene Formel zu entwickeln. (Borromäusverein)
Matthias Sellmann: Was fehlt, wenn die Christen fehlen?. Eine „Kurzformel“ ihres Glaubens. - Würzburg: echter 2020. - 128 Seiten; 9,90 €   Bild: Cover_202104_by_echter_verlag_by Pfarrbriefservide.de Text: Borromäusverein in: Pfarrbriefservice.de

KJO Freizeiten 2021 gehen von Durchführbarkeit aus

Das Dekanatsjugendbüro und die KJO-Verantwortlichen planen aktuell  das "KJO Pfingstzeltlager" und die "KJO Sommerfreizeit" soweit es geht, erstmal ganz normal und hoffen sehr, dass diese auch stattfinden können. Auf Ihrer Webseite schreiben sie: "Wir alle wissen um die Unsicherheit und Unplanbarkeit der aktuellen Situation rund um Corona. Dennoch möchten wir an unseren Freizeiten, die uns so viel bedeuten, festhalten, da wir das genau so gerne machen wie ihr gerne dabei seid! .."
Ab dem 20. Januar sind Anmeldungen auf den bekannten Wegen möglich. Wenn es Neuigkeiten gibt, erhalten die Angemeldeten dies per Mail oder können es auf der Homepage der KJO einsehen: www. kjb-ostfriesland.de
Das Pfingstzeltagerteam hat ein Vorbereitungstreffen für das Wochenende nach Ostern angesetzt. Spätestens danach werden die Verantwortlichen sich melden und über die aktuelle Situation informieren.

 

Wieder Taschen, Stolen, Buchhüllen aus Hungertüchern

Vor drei Jahren hatten wir an verschiedenen Orten im Dekanat Ausstellungen mit den bisher erschienenen MISEREOR-Hugertüchern. In Zusammenhang damit wurden viele der alten, großen und nicht mehr gebrauchten Hungertücher genutzt, um daraus Taschen, Buchhüllen und auch Stolen zu schneidern. Dies geschah in den Nähwerkstätten der sozialen Kaufhäuser und erfüllte damit einen doppelten Zweck: Übung für die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Einnahmen für die sozialen Kaufhäuser, die zwar auch durch die Arbeitsämter/Jobcenter unterstützt werden, aber eben auch selbst einen Teil erwirtschaften müssen. Jetzt sind wieder neue Produkte entstanden, die man direkt über Stefanie Holle, Geschäftsführerin der Caritas Ostfriesland bestellen kann. Auf Wunsch werden auch wieder Stolen angefertigt. Dazu setzen Sie sich bitte direkt mit Stefanie Holle in Verbindung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

#beziehungsweise: jüdisch und christlich –näher als du denkst!

Im Jahr 2021 können wir auf 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland zurückblicken. Aus diesem Anlass wird es ein Festjahr geben, an dem die Kirchen sich mit der ökumenisch verantworteten Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich -näher als du denkst“ beteiligen. Diese möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Auch und gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische Praxis in ihrer gelenkt werden. Aktuell finden wir uns dabei in einer gesellschaftlichen Situation wieder, die durch ein Erstarken von Antisemitismus und weiterer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geprägt ist. Übergriffe gegen jüdische Bürger*innen, Hetze und Verschwörungsmythen in den Sozialen Medien nehmen weiterhin zu.In einer respektvollen Bezugnahme auf das Judentum, die zur positiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland anregt, will die Kampagne auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.Das Bistum Osnabrück unterstützt diese Kampagne. Von Januar 2021 bis Januar 2022 werden im monatlichen Wechsel Plakate zur Veröffentlichung in Schaukästen oder an Schwarzen Brettern zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen finden Sie unter: https://bistum-osnabrueck.de/beziehungsweise-juedisch-und-christlich-naeher-als-du-denkst/

Tradition und Realitäten

Was ist Tradition? - Die nächste Vollversammlung des sog. "Synodalen Wegs", des Reformdialogs in der deutschen Kirche, in der es um die Themenkomplexe Macht, Sexualmoral, Priesterbild und um Rechte von Frauen in der Kirche, geht, muss wegen Corona wieder verschoben werden, von Februar auf September/Oktober 2021. Dennoch geht zwischenzeitlich das Ringen um Positionen, um Versöhnung kirchlicher Lehre mit dem realen Leben der Menschen, weiter. So melden sich immer wieder auch Theologinnen und Theologen zu einzelnen Themenfeldern zu Wort. Auf www.katholisch.de wurde heute (20.11.) ein Beitrag der Dogmatikerin Johanna Rahner rezensiert, der ursprünglich im Magazin "feinschwarz" veröffentlicht wurde. Darin geht es um die Frage nach den Quellen unserer Glaubensaussagen, danach, inwieweit neben der Schrift und der Tradition auch gerade die "vergessenen" Sichtweisen noch offenbarungsrelevant sind. Tradition ist ja nichts Monolithisches, sondern ist aus einem Prozess hervorgegangen und muss weiter prozesshaft gesehen werden. Dazu nimmt Johanna Rahner, die Professorin für Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie an der Uni Tübingen ist, Stellung:

"Die Tübinger Theologin Johanna Rahner hat der Amtskirche eine gefährliche "Häresie der Vergesslichkeit" attestiert. Durch eine Zementierung theologischer Traditionen und kirchlicher Strukturen habe sich das Lehramt seit dem 19. Jahrhundert zunehmend von den gesellschaftlichen Realitäten entfernt, schreibt die Dogmatikprofessorin in einem am Donnerstag auf dem Online-Portal "feinschwarz" veröffentlichten Beitrag. Wo die von Pluralität und Demokratie geprägte Lebenswelt der Menschen in der Kirche ein Fremdkörper bleibe, nehme die "Glaubwürdigkeit ihrer Sendung Schaden", so Rahner. In Ihrem Text nahm die Dogmatikerin auf einen Ausdruck von Friedrich Nietzsche Bezug, wonach die Vergesslichen "selig" seien, "denn sie werden auch mit ihren Dummheiten fertig". In der Kirche habe dieser Kampf gegen den eigenen "Erinnerungsballast" jedoch dazu geführt, dass die Vieldeutigkeit der eigenen Geschichte zugunsten einer scheinbar makellos fortschreitenden und unveränderlichen Lehre verdrängt worden sei. In etlichen Bereichen handle es sich dabei nicht um ein zufälliges Vergessen, sondern vielmehr um "absichtsvolles Verdrängen" durch die kirchlichen Verantwortungsträger. Vieles an der kirchlichen Struktur, das "bis heute mit dem Mantel des Gottgewollten und Ewigen umgeben wird, ist das Ergebnis eines historischen Verdrängungsprozesses", schreibt Rahner. Dies habe die fatale Folge, dass einem "zaghaft vorgetragenen 'Wir können auch anders'" in den aktuellen Reformdebatten stets die Behauptung einer "immer eindeutigen, stets gleichbleibenden, und daher zu bewahrenden 'Tradition'" als "katholischer Identitätsmarker" entgegengehalten werde.
Ausgrenzung Andersdenkender mit strukturellen Folgen
Rahner erklärt dieses Muster der theologischen Vereindeutigung als Konsequenz eines inzwischen überholten Offenbarungsverständnisses, das von einer übernatürlichen, dem Lehramt exklusiv zugänglichen göttlichen Wahrheit ausgehe. Demnach sei das unbeirrte Festhalten an der Tradition der Kirche die einzige Garantie, um diese Wahrheit vor Verunreinigungen zu schützen. Jeder "Ansatz von Pluralität im Inneren, jeder Hauch von Veränderung wird nun als Gefährdung dieser 'wahrhaft katholischen' und 'immer gleichen' Identität verstanden", so die Dogmatikprofessorin. Angesichts der "sogenannten 'Zerfallserscheinungen' der zeitgenössischen Gesellschaft" versuchten bestimmte Kirchenkreise deshalb seit Langem "einzig auf Aus- und Abgrenzung Andersdenkender" zu setzen. Diese Ablehnungshaltung sei nicht nur in inhaltlichen Fragen, sondern auch in struktureller Hinsicht wirksam. Besonders verhängnisvolle Konsequenzen für die Kirche bringe das etwa in Bezug auf "strukturelle Macht und institutionellen, d.h. systemischen Machtmissbrauch" mit sich, so Rahner weiter. Dabei sei die Theologiegeschichte deutlich vielfältiger und ließe weitaus größeren Spielraum zur Interpretation als lehramtliche Darstellungen oft Glauben machen wollten. Laut Rahner bestehe eine der wichtigsten Aufgaben der Theologie deshalb darin, unberücksichtigt gebliebene Argumente in der Dogmengeschichte aufzudecken und so eine "Wiederentdeckung der verdrängten Alternativen als Innovationspool" voranzutreiben. Auch dem "unfehlbaren Glaubenssinn der Gläubigen", der "im 19. Jahrhundert strukturell bewusst kaltgestellt" worden sei, müsse für die dringend notwendige Erneuerung der Kirche wieder mehr "Systemrelevanz" zukommen, forderte die Theologin."

Text aus www. katholisch.de   Bild: ©Universität Tübingen