Seit Aschermittwoch ist alles vorbei:
Die Masken wurden abgelegt,
die Kostüme eingemottet.
Aus Narren wurden wieder Herr X und Frau Y.

Am Aschermittwoch begann eine andere Zeit:
die Zeit der ungeschminkten Gesichter,
die Zeit des Innehaltens,
die Zeit der Wahrheit.

Nun nehme ich mir Zeit,
Ordnung zu schaffen
mich frei zu machen
von dem, was nicht taugt.

Nun nehme ich mir Zeit,
mich auf mich selbst zu besinnen.
Wo will ich hin?
Führt mein Weg noch zum Ziel?

Seit Aschermittwoch - alles vorbei?
Weit gefehlt!
Jetzt fängt es erst richtig an!

Gisela Baltes, www.impulstexte.de. In: Pfarrbriefservice.de

Glauben aus Unglauben?

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Ein widersprüchlicher Satz. Er steht in der Bibel, und ich kann ihn gut unterschreiben. Genau diese Erfahrung mache ich auch. Ich glaube, habe aber auch meine Zweifel.
GottIch kann glauben, und dafür bin ich dankbar. Ich glaube vor allem, dass Gott hinter jedem Menschen steht. Immer wieder in meiner Arbeit als Theologe treffe ich auf Menschen, die für sich selbst bedauern, nicht glauben zu können.
Ich habe auch meine Zweifel, auch wenn der Zweifel keinen guten Ruf in der Kirche genießt. Da wird Unglaube vermutet, zumindest keine Treue zur jeweils eigenen Kirche. Doch der Zweifel und der Unglaube genießen diesen schlechten Ruf zu Unrecht. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24), stammelt im Markus-Evangelium der Vater eines besessenen Jungen. Er fleht Jesus an und fordert ihn vehement auf, seinen kranken Sohn gefälligst zu heilen. Glaube und Unglaube gehören so zusammen. Sie bedingen sich gegenseitig. Glaube ohne Zweifel wird zur Gewissheit, und Zweifel ohne Glauben tatsächlich zum Unglauben.
Die Emmaus-Jünger zweifeln
Glaube und Zweifel gehören zusammen. Das erfahren die Emmaus-Jünger in einer paradoxen Situation. Sie waren am Auferstehungstag unterwegs von Jerusalem nach Emmaus. Sie sprachen über die furchtbaren Ereignisse der letzten Tage. Jesus gesellte sich zu ihnen, und sie erkannten ihn nicht. Sie hatten gehofft, dass er einmal Israel erlösen werde. Sie hatten auf diesen Jesus gesetzt, sind enttäuscht, voller Zweifel, was sie noch glauben können. Jesus erklärt ihnen, warum das alles geschehen musste, doch sie waren weiter wie mit Blindheit geschlagen.  Die beiden Jünger erkannten Jesus erst, als er das Brot brach und ihnen davon gab. Und dann sahen sie ihn nicht mehr. Warum ist die Szenerie paradox? Als sie Jesus suchten, als sie Zweifel hegten an allem, was in den vergangenen Tagen in Jerusalem geschehen war – da war Jesus bei ihnen. Als sie ihn ihm Brotbrechen sicher erkennen konnten, da war er weg. Ihr Zweifel ging ihrer Erkenntnis voraus. Ihr Zweifel gehört zum Glauben dazu.
Der Apostel Thomas will Beweise
Für diesen Zweifel gibt es in der Bibel einen weiteren Zeugen: den Apostel Thomas. Er genießt keinen guten Ruf, eben weil er Zweifel an der Auferstehung hegt. Und diesen Zweifel auch äußert. Er kann nicht einfach nur glauben. Er will Beweise, will seine Hand in die Wunde des Auferstandenen legen. Weil er zweifelt, sucht er den Auferstandenen, und deshalb ist sein Zweifel legitim.
Im Freiburger Münster findet sich dazu ein anschaulicher Beweis. Vorne in der Kirche gibt es Statuen an den Säulen. Sie stellen die Apostel dar. Der Jesusfigur am Nächsten stehen nicht die Stars, nicht die großen Apostel, nicht Petrus und Johannes oder Jakobus und wie sie alle heißen mögen. Jesus am Nächsten steht eben dieser Thomas, der Zweifler, der sogenannte Ungläubige, wie er von den Frommen so oft geschmäht wurde. Thomas gehört dazu – der Künstler und sein Auftraggeber am Freiburger Münster wussten wohl, warum.
Ein Loblied auf den Zweifel
Es ist Zeit für ein Loblied auf den Zweifel. Jeder Mensch darf zu diesem Lied eigene Strophen texten. So auch ich. Ich glaube nicht, dass Gott es will, dass Unschuldige ermordet werden. Ich erkenne keinen Sinn im frühen Tod eines jungen Menschen. Ich habe meine Zweifel, wenn Menschen heute hungern müssen. Mein so sicher geglaubter Glaube wird immer wieder angezweifelt. Warum das alles? Musste diese oder jene Katastrophe nicht von Gott verhindert werden? Warum greift er nicht beherzt ein, wenn Menschen morden? Muss das so sein? Weil ich keine Antwort habe, trage ich das Leid und den Zweifel anderer Menschen mit, trage das alles vor Gott. Halte so den Zweifel, den Unglauben mit aus. „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ – das gilt auch für mich.
Glaube und Zweifel gehören zusammen. Mein Glaube ist groß. Und mein Zweifel? Der hält meinen Glauben groß.

Uwe Beck Quelle: Text: Uwe Beck, www.katholische-hörfunkarbeit.de In: Pfarrbriefservice.de

Alles hat seine Zeit!?

Alles hat seine Zeit: nun ja,meistens jedenfalls. Olympia hatte jetzt seine Zeit von zwei Wochen, die Gewalt in der Ukraine hatte ihre Zeit und vielleicht hat sie sie jetzt nicht mehr, sondern es gelingt eine Friedenslösung. Der Winter hatte seine Zeit in diesem Jahr jedenfalls noch nicht, aber der kommende Karneval hat seine Zeit- zumindest in den Hochburgen hier und in der Welt.
Es klingt ein wenig banal, dass alles seine Zeit hat, wenn nicht mitgesagt wird, wie unterschiedlich die Zeiträume sind,die für die einzelnen Erfahrungen, Geschichten und Schicksale reserviert sind. Zeit ist etwas Objektives, Messbares, aber es ist immer auch etwas Subjektives, wenn es uns angeht. Eine Zeit des Wartens kann unendlich lang sein in unserem Empfinden, aber sie kann auch so verflixt kurz sein, z.B. als Urlaubstage. Und manches hat gar keine Zeit: es bleibt beim Gedanken, bei der Idee, aber es wird nicht in die Wirklichkeit umgesetzt.
Und manchmal fehlt die Zeit, den Dingen Zeit einzuräumen. Aber, fehlt sie wirklich,oder ist sie nur anders besetzt? Ich selbst erwische mich immer wieder mit Aufschüben: Nicht jetzt, aber dann, später --- und das heisst oft: nie. Vielleicht gelingt es uns in der kommenden Fastenzeit, mit unserer Zeit ein wenig anders zu verfahren: weniger von dem, was immer ist, mehr von dem, was so selten angepackt wird. Einige Gemeinden haben sich da was vorgenommen und laden dazu ein: mehr Zeit für die Botschaft des Evangeliums in besonderen Gottesdiensten, Exerzitien im Alltag oder Bibelgesprächsgruppen, mehr Bewegung durch gemeinsame Radtouren oder Spaziergänge, mehr Einfachheit...es gibt viele Möglichkeiten, die Zeit der 40 vorösterlichen Tage zu füllen.
Und dann können wir aus unserer Erfahrung den berühmten Kohelet-Text neu schreiben:

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
eine Zeit,  liegen bleiben/und eine Zeit zum Aufstehen,/
eine Zeit zum Ideen spinnen/und eine Zeit zum Umsetzen der Ideen,

eine Zeit zum Aufstand/und eine Zeit zum Verhandeln, /
eine Zeit für den äußersten Mut/und eine Zeit zum Suchen des gangbaren Möglichen/
eine Zeit zum Weinen /und eine Zeit zum Lachen...

eine Zeit für Ausreden, warum alles nicht geht was zu tun wäre/ und eine Zeit, sich anstecken zu lassen von einem Charisma, das den Aufbruch nicht predigt, sondern losgeht/
eine Zeit, zu meckern und eine Zeit, das Bessere anzufangen,
eine Zeit mit dem "Ich" mit Mittelpunkt und eine Zeit auf der Suche nach dem "Wir"....

                                                                                                            Brigitte Hesse

Regeln für Realpräsenz

Wir haben mit dem Leben
keinen unbefristeten Vertrag
Zeit schenkt sich nur
von nun auf jetzt

vertreibe deine Zeit doch nicht
und schlage sie auch nicht tot
gleich einer Fliege die belästigt
zerpflücke nicht den Tag

nutze die Zeitfenster
zum stillen Schauen
geistesgegenwärtig
bewohne deinen Leib

übergehe nicht die Rose unterwegs
bleib stehn und atme ihren Duft
nur der Augenblick ist wirklich
wann lebst du wenn nicht jetzt

Andreas Knapp

Unbekannte, ungenannte Heilige

Kein kirchliches Verfahren
wurde angestrengt,
um sie heilig zu sprechen.
Keine Wunder wurden ihnen nachgesagt.

Wir wissen nicht, wie sie aussahen.
Wir kennen ihr Leben nicht
Wir flehen sie nicht um ihre Fürbitte an.
Wir kennen nicht einmal ihren Namen.

Aber es gab sie und gibt sie:
Männer und Frauen,
verheiratet oder auch nicht,
gewiss nicht fehlerlos,
aber guten Willens.

Unzählige sind längst tot.
Unzählige leben heute
mitten unter uns.
Unbemerkt.

Menschen
wie du und ich.

Wie du und ich
berufen zur Heiligkeit.

Gisela Baltes, www.impulstexte.de. In: Pfarrbriefservice.de

Weitere Beiträge ...

  1. Ohne zu lügen