Angelus – Einladung zum Aufatmen
Der „Engel des Herrn“ ist ein jahrhundertealtes Gebet, das sich im Gotteslob unter Nr. 3,6 findet, und dort so eingeführt wird: „Der ‚Engel des Herrn‘ ist eine bewährte Weise, den Tag zu heiligen.“ Nun mag es sein, dass dieses Gebet zu manchen Zeiten und bei manchem Glaubenden bis heute eher mechanisch vollzogen wurde bzw. wird. Aber gerade die schlichte Weise, sich wie Maria von Gott angerufen zu wissen, und Gott verbunden mit Maria zu antworten, um so Jesus Christus einen Platz in meinem Leben zu bereiten, lohnt wieder entdeckt zu werden:
Das Angelusgebet hat seinen Namen von den ersten Worten des Gebetes: Der Engel des Herrn, lat. angelus. In der jetzigen Form gibt es dieses Gebet seit 1571 und wird traditionell am Morgen, am Mittag und am Abend gebetet. Dazu laden auch heute noch die Kirchenglocken mit dem Angelusläuten ein.
Zugegeben, meine katholische Sozialisation fand ohne den Angelus statt … kein Wunder, wenn man in einer Großstadt aufwächst, wo das Mittagsgeläut der Kirchen, wenn ich es überhaupt hörte, einfach bedeutete, dass es 12.00 Uhr war – und damit bald Zeit für das Mittagessen.
Später begegnete ich diesem Gebet ab und an mal, wenn ich z.B. in einem Priesterseminar als Referentin arbeitete oder auch in einem Tagungshaus einer Ordensgemeinschaft. Da war es dann das Tischgebet vor dem Mittagessen, das einfach dazu gehörte. Man stand schweigend hinter seinem Stuhl am Tisch, wartete, bis alle da waren, dann wurde konzentriert laut gebetet. Danach Stühlerücken, Löffelklappern, Gespräche. Jetzt wurde es lebendig!
Meinen persönlichen Zugang zum Angelus habe ich eigentlich erst in Südafrika entdeckt. Dort arbeitete ich ehrenamtlich bei den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Mariannhill mit und konnte die Gottesdienste mit den Schwestern mitfeiern und mit ihnen zusammen im Konvent essen. Das Mittagessen gab es von halb zwölf bis um halb eins, man bediente sich selbst und jede Schwester konnte kommen und gehen, wie es am besten in ihren Zeitplan passte. Bei über fünfzig Schwestern, die an ganz verschiedenen Orten arbeiten, durchaus praktisch gedacht.
Aber die ersten Tage, als ich dort war, wunderte ich mich schon ein wenig. Um zwölf Uhr wurde eine Glocke in dem alten Kirchturm dreimal angeschlagen – und alle Schwestern im Speisesaal hielten inne, legten den Löffel hin, unterbrachen ihre Unterhaltung mitten im Satz oder blieben mit dem Teller in der Hand vor den Kartoffeln stehen. Stille. Noch drei Glockenschläge – Stille. Und dann nochmal drei Glockenschläge, die dann in ein Geläut übergingen … und dann fingen allmählich alle wieder an, sich zu bewegen. Der Löffel wurde wieder in die Hand genommen, die Kartoffeln wurden geschöpft, langsam setzte die Unterhaltung wieder ein.
Und in der Zeit dazwischen hatte jede Schwester still den Angelus gebetet.
Aus meiner Verblüffung wurde ein Mittun – und aus dem Mittun erschloss sich mir allmählich die wunderschöne Bedeutung dieses Zeichens: Mitten in all meinem Tun lasse ich mich unterbrechen. Ich suche mir den Moment nicht aus, aber ich bin bereit mich unterbrechen zu lassen. Der „Engel des Herrn“ kommt nicht unbedingt, wenn es mir passt, sondern wenn es dafür an der Zeit ist. Er fragt nicht, ob das, was ich tue, grad wichtig oder unwichtig ist – er unterbricht.
Auch mit Maria hat der Engel damals keinen Termin vereinbart, an dem sie zufällig Zeit für seine Botschaft hatte, er hat ihren Alltag unterbrochen. Und Maria ließ sich unterbrechen, hörte zu – und gab Antwort. So fing es an, damals, als Gott zur Welt kommen wollte.
Gott will immer noch zur Welt kommen, zu den Menschen, heute und immer wieder. Dazu aber braucht er Menschen, die sich unterbrechen lassen – und die zur Antwort bereit sind. Und noch einmal zurück nach Mariannhill: Diese kurze Zeit, in der ich im Speisesaal der Schwestern stehe, meinen Teller in der Hand, plötzlich gestoppt auf meinem Weg zu den Kartoffeln, zu meinen vermeintlichen Wichtigkeiten, will mich genau daran erinnern. Sich unterbrechen lassen, um sich zu erinnern … und um mich zu fragen, wie meine Antwort auf Gottes Anfrage lautet.
Damit Gott zur Welt kommen kann.
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
Unterbrechen – damit wir neu zu Atem kommen können. Und wenn Sie das nächste Mal die Glocken läuten hören, dann lassen Sie sich doch einfach unterbrechen und beten mit!
Andrea Schwarz

Lichter überall

Adventliche Beleuchtung überall:
Uns nicht blenden lassen,
sondern darin die tiefe Sehnsucht
nach Licht entdecken.
Adventliche Lichter überall:
Uns nicht beirren lassen,
den Blick für das Wesentliche Lichter überall
schärfen:
das göttliche Licht in jedem Menschen.

Pierre Stutz

Mit dem Beginn des Advents wird es hell in den dunklen Straßen des zu Ende gehenden Novembers. Die vorweihnachtliche Hektik beginnt! Und trotzdem zünden wir nur an jedem Sonntag eine Kerze mehr an. Sie soll uns daran erinnern, dass wir langsam und achtsam dem göttlichen Licht entgegen gehen, damit wir nichts übersehen auf unseren Straßen und in den (er)wartenden Blicken der Menschen.

 Elke Sieksmeyer, Gemeindereferentin in Leer

Von den klugen und törrichten Jungfrauen

Die Website der Deutschen Katholischen Kirche, www.katholisch.de, hat eine neue Rubrik unter dem Titel "Ausgelegt!" Da werden die Sonntagsevangelien betrachtet und in ihrer Relevanz für uns heute ausgelegt. Gestern nun wurde in unseren Kirchen das Gleichnis der klugen und törrichten Jungfrauen verkündet - kein leichter Stoff. Deshalb hier die Auslegung von Sr. Birgit Stollhoff, die zur Kongregation der Mary-Ward-Schwestern gehört:

"Eigentlich sind mir die fünf klugen Jungfrauen ja gründlich unsympathisch: Das sind die typischen Streberinnen, und unkameradschaftlich noch dazu. Sitzen auf ihrem Öl, nur damit sie als erste und einzige zum Fest kommen. Als ich dann mal wieder eine Schlagzeile zum Berliner Flughafen gelesen habe, kam mir der Gedanke: "Naja, so ganz kann man ihnen die Vorbildfunktion nicht absprechen. Kluge Planung hat schon was für sich."
Und dann ist mir ein Witz eingefallen: Ein Mann im Porsche hat sich offensichtlich auf der Landstraße verfahren. Er fragt einen Wanderer: "Entschuldigen Sie, ich muss bei einer wichtigen Konferenz einen Vortrag halten, und habe mein Navi vergessen. Können Sie mir sagen, wo ich bin?" Der antwortet: "Sie befinden sich exakt auf 41°58'31.1"N 12°28'06.3"E" Darauf der Autofahrer: "Sie sind sicher Ingenieur: Da hat man mal eine praktische Frage und sie geben eine wissenschaftlich richtige, aber völlig unbrauchbare Antwort." Der Ingenieur erwidert: "Und Sie sind bestimmt Manager: Sie haben ein Ziel, das ihnen viel Ruhm bringt, kümmern sich nicht um die Planung und erwarten jetzt von mir, dass ich Ihr Problem für Sie löse!"
Schlanke Produktion mit einer schnellen, flexiblen Logistik ist inzwischen modern. Und trotzdem: Nicht immer geht das. Gerade wenn ein Element des Produktes oder im Prozess Mangelware ist, braucht es eine Planung, braucht es Vorräte. Denn es gibt ein "zu spät" im Leben. Hier sind die klugen Jungfrauen tatsächlich die besseren Planerinnen. Sind sie auch unsozialer? Die törichten Jungfrauen verlassen sich wie der Manager darauf, dass andere ihre Probleme lösen. Aus meinem Alltag kenne ich beide Seiten: Wenn ich viel Stress habe, arbeite ich sehr strukturiert - und dann ärgere ich mich darüber, wenn am Projekt Beteiligte die Mails nicht gelesen haben und plötzlich alles ganz anders machen wollen. Da bin ich dann diejenige, die nachts um 23.00 Uhr noch am PC sitzt, anderen hinterherarbeitet und umdisponiert. Gleichzeitig verlasse ich mich oft stillschweigend darauf, dass andere für mich mitdenken. Ich wäre nie an einem Stand beim Katholikentag gestanden, wenn meine Mitschwester sich nicht rechtzeitig um so lästige Details wie etwa die Zufahrtserlaubnis für den Standaufbau oder die Koordination der Standdienste aller Mitschwestern kümmern würde.
Die Planung, die Vorbereitung, das Durchhalten: Sie sind die andere Seite der Feste und der großen Höhepunkte im Leben: vor dem beruflichen Erfolg steht der Plan, vor dem Flughafen die Überzeugungs- und Abstimmungsarbeit, vor der Hochzeit die Vorbereitung. Das gilt auch für das Leben insgesamt: Wenn es Schwierigkeiten gibt, brauchen wir etwas, das uns hilft, durchzuhalten. Was sind die eigenen Ressourcen – das Öl, das Navi, die Motivation? Was lässt mich durchhalten? Wie steht es um meine Motivation? Bin ich noch im Kontakt mit mir und mit Gott? Brennt die innere Kerze noch oder ist sie am Erlöschen?
Vom Handy kennen wir das: Nichts ist ärgerlicher, als wenn im entscheidenden Moment der Akku leer ist, da hilft alles WLAN nichts. Die törichten Jungfrauen mahnen uns, die eigenen Akkus zu überprüfen und sie rechtzeitig aufzuladen. Zum Glück bietet die Kirche dazu ja die passenden Hilfen: Exerzitien im Advent, Besinnungstage, Veranstaltungen zur Spiritualität, Stille Tage in den Ordenshäusern und Klöstern. Da können sogar sonst eher verpeilte Jungfrauen und gestresste Manager bei Gott auftanken, damit sie entspannt zum Fest kommen und auch danach im Alltag ein bisschen von der Freude und dem Glauben ausstrahlen."
                                                                   Auslegung in www. katholisch .de  vom 13.11.2017

Regeln für Realpräsenz

Wir haben mit dem Leben
keinen unbefristeten Vertrag
Zeit schenkt sich nur
von nun auf jetzt

vertreibe deine Zeit doch nicht
und schlage sie auch nicht tot
gleich einer Fliege die belästigt
zerpflücke nicht den Tag

nutze die Zeitfenster
zum stillen Schauen
geistesgegenwärtig
bewohne deinen Leib

übergehe nicht die Rose unterwegs
bleib stehn und atme ihren Duft
nur der Augenblick ist wirklich
wann lebst du wenn nicht jetzt

Andreas Knapp

Unbekannte, ungenannte Heilige

Kein kirchliches Verfahren
wurde angestrengt,
um sie heilig zu sprechen.
Keine Wunder wurden ihnen nachgesagt.

Wir wissen nicht, wie sie aussahen.
Wir kennen ihr Leben nicht
Wir flehen sie nicht um ihre Fürbitte an.
Wir kennen nicht einmal ihren Namen.

Aber es gab sie und gibt sie:
Männer und Frauen,
verheiratet oder auch nicht,
gewiss nicht fehlerlos,
aber guten Willens.

Unzählige sind längst tot.
Unzählige leben heute
mitten unter uns.
Unbemerkt.

Menschen
wie du und ich.

Wie du und ich
berufen zur Heiligkeit.

Gisela Baltes, www.impulstexte.de. In: Pfarrbriefservice.de

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  1. Ohne zu lügen