Es gibt Texte, die verlieren niemals ihre Aktualität. Der nachfolgende von Oscar Romero, der gerade in diesen Tagen heiliggesprochen wurde, ist es. Er bringt auf den Punkt, dass alles davon abhängt, dass wir uns bewegen, einsetzen, aber wissen, dass wir nicht alles können und schaffen. Dafür ist dann Gott zuständig - und er will es auch sein.

"Es hilft, dann und wann zurückzutreten
und die Dinge aus der Entfernung zu betrachten.
Das Reich Gottes ist nicht nur jenseits unserer Bemühungen.
Es ist auch jenseits unseres Sehvermögens.
Wir vollbringen in unserer Lebenszeit
lediglich einen winzigen Bruchteil
jenes großartigen Unternehmens,
das Gottes Werk ist.
Nichts, was wir tun, ist vollkommen.
Dies ist eine andere Weise zu sagen,
dass das Reich Gottes je über uns hinausgeht.
Kein Vortrag sagt alles, was gesagt werden könnte.
Kein Gebet drückt vollständig unseren Glauben aus.
Kein Pastoralbesuch bringt die Ganzheit.
Kein Programm führt die Sendung der Kirche zu Ende.
Keine Zielsetzung beinhaltet alles und jedes.
Dies ist unsere Situation. Wir bringen das Saatgut in die Erde,
das eines Tages aufbrechen und wachsen wird.
Wir begießen die Keime, die schon gepflanzt sind in der Gewissheit,
dass sie eine weitere Verheißung in sich bergen.
Wir bauen Fundamente, die auf weiteren Ausbau angelegt sind.
Wir können nicht alles tun. Es ist ein befreiendes Gefühl,
wenn uns dies zu Bewusstsein kommt.
Es macht uns fähig, etwas zu tun und es sehr gut zu tun.
Es mag unvollkommen sein, aber es ist ein Beginn,
ein Schritt auf dem Weg, eine Gelegenheit für Gottes Gnade,
ins Spiel zu kommen und den Rest zu tun.
Wir mögen nie das Endergebnis zu sehen bekommen,
doch das ist der Unterschied zwischen Baumeister und Arbeiter.
Wir sind Arbeiter, keine Baumeister.
Wir sind Diener, keine Erlöser.
Wir sind Propheten einer Zukunft, die uns nicht allein gehört."

                                                                          Oscar Romero                                                                       
Bild: Achim Pohl in: Pfarrbriefservice.de

Feiern erlaubt

Es ist - auch 29 Jahre nach dem Geschehen- immemr noch ein Wunder, dass die Geschichte ohne Gewalt eine neue Seite aufschlug: das Fallen der Mauer, die deutsche EInheit, die scih bis heute zwar als ein mühsamer Prozess zeigt, aber doch voran kommt und immer noch ein Beispiel für weiterhin gespaltene Staaten ist, wie z.B. Korea. Hier ist zusammengekommen, was auch immer zusammengehört; das Wunder und die Arbeit daran, es wirklich wirksam werden zu lassen. Wenn etwas geschieht, womit wir nicht rechnen konnten, ist das immer der Auftakt zu einem weiteren Tun, das nach uns selbst, unserem Herzblut, unserem Einsatz ruft. Auch in der Kirche.

Ermutigung zum Handeln

Wenn du dir die Hände
nicht schmutzig machen willst
und dir einredest,
dass genug andere Menschen aktiv werden könnten,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich für die Wahrheit zu entscheiden.
Wenn du merkst,
dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
dann wünsche ich dir den Mut,
dich einzumischen
und Partei zu ergreifen für ein Leben in Würde.
Wenn du erkannt hast,
was auf dem Spiel steht,
aber vor den damit verbundenen Hindernissen zurückschreckst,
dann wünsche ich dir den Mut,
über deinen Schatten zu springen.

Angela Lohausen, Früh-/Spätschichten MISEREOR-Fastenaktion 2012

Wenn man ans Meer kommt
  soll man zu schweigen beginnen
  bei den letzten Grashalmen
  soll man den Faden verlieren

  und den Salzschaum
  und das scharfe Zischen des Windes
  einatmen
  und ausatmen
  und wieder einatmen

  Wenn man den Sand sägen hört
  und das Schlurfen der kleinen Steine
  in langen Wellen
  soll man aufhören zu sollen
  und nicht mehr wollen wollen
  nur Meer

  Nur Meer

                                     Erich Fried

Lernen - im Buch der Lebenskunst

Das Buch der Sprichwörter aus dem sog. Alten Testament ist, so Wolfgang Raible in "Anzeiger für die Seelsorge" 7/8 2015, ein Handbuch der Lebenskunst . So alt es ist, nämlich fast 2500 Jahre, so aktuell ist es doch noch oft für unsere Welt, die Kirche, unser Alltagsleben. Und daraus dann ein Beispiel, das unserem geordneten Strukturen echt zuwiderzulaufen scheint:

"Geh zur Ameise, du Fauler, betrachte ihr Verhalten und werde weise. Sie hat keinen Meister, keinen Aufseher und Gebieter, und doch sorgt sie im Sommer für Futter, sammelt sich zur Erntezeit Vorrat." (Sp. 6,6ff) Nach dem Buch Hiob hat Gott dem Menschen die Tiere als Lehrmeister gegeben. Die Ameise begegnet uns hier als Vorbild für unermüdliche und wohlorganisierte Arbeit. Jede Einzelne setzt sich ungezwungen und eigenverantwortlich ein für die anderen ein und sorgt durch ihren Fleiß für das Überleben aller. Auch ohne erkennbare Leitungsstrukturen herrscht kein Chaos im Ameisenhaufen. Stellen Sie sich das einmal vor: Vorgesetzte befehlen und drohen nicht, sondern vertrauen darauf, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst Ideen für ein gut koordiniertes Zusammenwirken entwickeln....

Und in unseren Pfarreiengemeinschaften: alle fühlen sich mitverantwortlich für die Zukunft von Kirche, von Gemeinden. Jeder und Jede tut das, was er/sie am besten kann- zum Wohl aller. Und EIfersucht und Gezänk um „Pfründe“ sind Fremdwörter…..!

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